Liebes Forum,
mein Sohn geht seit einiger Zeit sehr gerne in sogenannte Lost Places - das fand ich bisher auch nicht sooo furchtbar und konnte den Reiz auch durchaus verstehen. Bisher war ich auch davon überzeugt, dass er sich risikobewusst und vorsichtig verhält. Jetzt habe ich aber durch Zufall erfahren, dass der Kick dabei offensichtlich nicht mehr ausreicht und er auf hohe stillgelegte Funktürme und Dächer klettert und dass alles ungesichert. Nennt sich wohl Roofing bzw. Climbing bzw. wie auch immer.
Ich bin gerade total überfordert und weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll, um ihn davon abzubringen.
Hat jemand hier im Forum Erfahrung mit sowas und kann möglicherweise Tipps geben?
Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße
von einer völlig besorgten und noch unter Schock stehend Mama
Liebe bke-Lana-Winters,
vielen lieben Dank für die sehr hilfreiche Antwort.
Zuerst einmal zu den Ihren Fragen. Wir haben immer offen über den Besuch von Lost Places gesprochen und das eine oder andere Mal waren mein Mann (also sein Vater) und ich auch dabei. Mein Mann ist im Übrigen genauso schockiert wie ich es bin. Wir haben durch Zufall davon erfahren, da er aktuell mit einem Freund bei dessen Oma übernachtet in einer andere Stadt, wo es wohl viele Lost Places gibt. Sein Handy ist mit dem meines Mannes vertraglich verkünpft und es gab eine Benachrichtigung, dass sein Instagram Account (von dem wir nix wussten), jetzt öffentlich ist inklusive seines Decknamens. Natürlich habe ich mir das neugierig angeschaut und damit gerechnet, Videos von Lost Places zu finden, die ich überwiegend auch kenne. Leider waren da dann auch einige Videos zu unterschiedlichen Turmbesteigungen, die wirklich super gefährlich aussehen. Laut der Videos geht das mindestens schon drei Monate und er scheint dabei immer mit Freunden und Bekannten zusammen zu sein also macht es nicht alleine.
Er weiß noch nicht, dass mein Mann und ich es wissen und wir wollen die Thematik mit ihm besprechen, sobald er heute Abend nach Hause kommt. Grundsätzlich würde ich unser Verhältnis untereinander als gut und durchaus vertrauensvoll bezeichnen. Er ist halt ein Teenager, der seinen Eltern nicht immer alles erzählt und wo es auch mal ruppig wird in der Kommunikation. Aber beispielsweise war er erst im Juli zwei Wochen mit uns im Familienurlaub und wir haben uns alle gut verstanden.
Im Vorfeld des Gespräches mit ihm heute Abend helfen mir Ihre Anregungen und Fragestellungen sehr. Mein Mann und ich sind jetzt erst einmal auf das Gespräch heute Abend gespannt und haben uns auch bereits erste Maßnahmen überlegt wie beispielsweise einen Kletterkurs beim Alpenverein. Vielen herzlichen Dank erst einmal für den schnellen Input und beste Grüße
Guten Tag Angela17! Bevor ich paar Gedanken zu Ihrem Beitrag loswerde, möchte ich Sie bei der bke-Onlineberatung und hier im Forum willkommen heißen! Mein Nick ist bke-Lana-Winthers und ich bin eine von einigen Moderatoren aus dem Forumsteam.
Danke, dass Sie hier Ihre Sorge und Ängste anvertrauen und in Austausch mit anderen Eltern und Moderatoren gehen möchten. Alleine das zeigt, wieviel Sorge und Interesse nicht nur sich, sondern auch Ihrem Sohn zu helfen und ihn vor Gefahren zu schützen. Ich glaube, so geht es vielen Eltern. Wie sagt man so schön „Kleine Kinder kleine Sorgen. Große Kinder große Sorgen.“
Neben paar Ideen habe ich noch einige Fragen, wenn ich darf: Wie haben Sie von seinem gefährlichen Hobby erfahren? Hat er es Ihnen selbst erzählt? Wie lange macht er das schon? Wie fing es an? Ist das jetzt die Steigerung? Ist er dabei alleine oder in Begleitung? Dass Sie als Mutter berechtigt besorgt sind, habe ich verstanden und kann es voll nachvollziehen. Aber wie ist es mit dem Vater? Was sagt er zu dem gefährlichen Hobby?
Puh, ich glaube das waren alle Fragen, die mir spontan sofort im Kopf schwirrten.
Jetzt zu meinen Gedanken: Ich denke, ich werde Ihnen nichts neues raten oder vielleicht haben Sie es auch schon auf die Weise versucht… In dem Alter ist es wichtig, dass die Eltern und ihre Heranwachsende in einer guten Beziehung zu einander bleiben. Das kann manchmal sehr herausfordernd sein. Die Teenies können einem den Nerv rauben und das, weil sie auf der Selbstfindung sind, Grenzen neu stecken, etc. Wie würden Sie die Beziehung zu Ihrem Sohn beschreiben? Erreichen Sie ihn gut? Grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder und Jugendliche Interessen und Hobbys haben und leider sind nicht alle ungefährlich. Selbst Handball Spiel ist nicht ohne, oder Fußball. Damit will ich das Risiko, was Ihr Sohn wählt, nicht relativieren. Aber fair wäre es, wenn er Ihre Sorge, die Sie ihm gegenüber äußern, ernst nimmt. Ich finde, jede Sportart ist mit einem gewissen (Verletzungs)Risiko verbunden. Aber dafür gibt es passenden Schutz, Regeln, Bedingungen usw. Das wären vielleicht wichtige Punkte, die Sie mit ihrem Sohn besprechen können. Vorher sollten Sie sich Gedanken machen, was Ihnen wichtig wäre, damit sie nicht so doll besorgt sind. Das könnte zum Beispiel die Regel sein “Du darfst dein Hobby ausüben, aber nur in Begleitung“ oder „Lass uns über Risiken sprechen und abwägen“ oder „Ich möchte, dass dein Handy ortbar ist.“ oder „Du kannst es machen, aber nur mit Schutzutensilien, die das Risiko minimieren.“ Oder oder oder
Vielleicht könnten Sie noch im Kontakt mit ihm rausfinden, was ihn an diesem Risiko so reizt. Woher es kommt, was er dabei verspürt? Und kann man das Gefühl, was er dabei empfindet nicht durch etwas anderes ersetzen?
Ich denke, mir fällt auf die Schnelle nichts mehr ein 😊 Aber ich wünsche Ihnen noch einen guten Austausch mit Usern und Mods!
Viele Grüße
bke-Lana-Winthers